genderwasteland

Die Einöde im Geschlechterwunderland

Diagnose-Dating

Neu im Appstore für iPhone und Android: Diagnose-Dating.
Gebe deine aktuellen Diagnosen an und finde deine*n Traumpartner*in per Diagnose-Match. (4,2 *****)

Neue Funktionen:
– Ergänze deine Biografie, indem du alle Diagnosen angibst, die du im Laufe deines Lebens erhalten hast.
– Gib Diagnosen an, die noch nicht gesichert sind, um deine Dating-Möglichkeiten zu erweitern.

App

Über mich:

  • gesichert: F64.0 (Transsexualismus)
  • vermutet: -/-
  • Biographie:
    • 1999, 2001: F93.8 (sonstige emotionale Störungen des Kindesalters)
    • 2003: F64.2 (Störung der Geschlechtsidentität des Kindesalters)
    • 2004: F66.0 (sexuelle Reifungskrise)
    • 2005: F60.2  (dissoziale Persönlichkeitsstörung), F32.2 (schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome), F60.31 (emotional instabile Persönlichkeitsstörung, Borderline-Typ)
    • 2006: F33.1 (rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode)
    • seit 2012: F64.0 (Transsexualismus)

Ich suche:

  • F64.0 (Transsexualismus)
  • F64.9 (Störung der Geschlechtsidentität, nicht näher bezeichnet)
  • optional: F65.0 (Fetischismus), F65.5 (Sadomasochismus)

Bewertungen

Maria Maibaum (****/*)
tolle app! leider kann man bislang nur die icd-codes und nicht die codes nach dsm eingeben. 5 *****, wenn ihr das geändert habt.

trixi meyer (*****)
endlich eine app, die mal nicht so oberflächlich auf das äußere fixiert ist.

marian z (****/*)
top app. 5 sterne, wenn man sich endlich auch mit facebook oder twitter anmelden kann! verstehe echt nicht, warum ihr das nicht von anfang an integriert hattet.

René M (*/****)
leider zu viele faker hier! habe angegeben, dass ich F64.0 suche und nix anderes und habe nur so komische transgender kennen gelernt!!!

Thia X (*****)
habe hiermit meinx traumpartx gefunden, danke!!

Martin Zimmer (**/***)
tickt ihr noch richtig ey?!?!? warum kriege ich mit f90.1 (hyperkinetische störung des sozialverhaltens) immer wieder einen partner mit f33.1 und anderen schwachsinn vorgeschlagen?!

Raoul Bestenberg (*****)
wirklich tolle app, echt super, dass sie immer noch kostenlos ist. hatte bisher bei den ganzen anderen dating apps immer nur pech gehabt. bin extra zum HA und hab mir eine diagnose geben lassen. bin jetzt seit 6 monaten mit meiner pia zusammen :)

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Mathematik für Trans*jungs und Queers

Grundrechenarten

(1) Adam ist trans* und hat seit kurzem endlich seinen Aufbau von Dr. C. Ock. Die Kosten dafür belaufen sich auf 54.625,12 Euro Grundpauschale sowie 21.014,00 Euro für seine AMS Spectra. Sein Schulfreund Tim ist cis und hat einen kleineren als Adam (leider nur 12 * 3,5 cm). Weil er Adams Edelgenital beneidet, beschließt er, sich sein bestes Stück mit Diamanten besetzen zu lassen.

(a1) nur für Jungs: Wie viele Schmuckstücke (durchschnittliche Maße: 0,5 * 0,21 cm) muss sich Tim applizieren lassen, bis sein Schwanz wertvoller ist als der von Adam?
(a2) nur für Mädchen und schwule Jungs: Recherchiere die Maße von gängigen Schmuckstücken. Stelle eine mögliche Schmuckgestaltung zusammen.
(b) Reicht die Fläche auf Tims bestem Stück, um alle Edelsteine aufbringen zu können?

Funktionen

(2) Tyler ist Transmann und konnte sich dem diesjährigen Familienweihnachtsessen (44 Gäste, drei Gänsebraten, 16.00 – 2.00 Uhr) leider nicht entziehen. Anfangs wird er pro Person durchschnittlich sechs Mal die Stunde misgendert, nach fünf Stunden jedoch steigt diese Rate proportional zum verwandtschaftlichen Alkoholkonsum um jeweils etwa drei Mal je Stunde.

(a) Zeichne den Graphen für die weihnachtliche Misgender-Funktion.
(b) Glücklicherweise hat die lesbische Erbtante Hildegard mit dieser Veranstaltung ebenfalls ihre Schwierigkeiten. Um die Angelegenheit erträglicher zu machen, verspricht sie, für jedes Mal, das Tyler misgendert wird, einen halben Dollar an sein Mastektomie-Fundraising zu spenden.
Wie viel Dollar ist Tyler am Abend seinem Ziel näher gekommen? Wie viele Familienessen müsste er noch bestreiten, um seine OP finanzieren zu können?

Wahrscheinlichkeit

(3) Thia ist genderqueer und genervt davon, dass an Thias Uni immer noch keine Unisex-Toiletten eingeführt wurden. Thia hat die kreative Idee, sich dem binären System zu entziehen, indem sie jedes Mal zufällig entscheidet, welche Toilette Thia aufsucht. Dazu zieht Thia blind eine Kugel aus einem Bingo-Spiel.

(a) In der Bibliothek gibt es drei Stockwerke mit insgesamt neun Toiletten je Etage. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Thia mit dieser Methode innerhalb von zwei Wochen aus einer der Toiletten fliegt?
(b) Welche Möglichkeiten gäbe es außerdem, Thias Idee umzusetzen?

(4) Martin ist Aufbauträger. Als richtiger Mann mit transsexueller Vergangenheit lebt er selbstverständlich stealth. Nach einem heftigen Streit musste er seiner Freundin versprechen, wenigstens einmal den örtlichen Trans*-Stammtisch zu besuchen. Dort kommen von insgesamt 126 männlichen Trans*Personen (davon 50 teilweise, 12 vollständig angeglichen) in der Stadt regelmäßig etwa 35.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der erste Mann, mit dem Martin ins Gespräch kommt, ein Aufbau-Träger ist?

Prozentrechnung

(5) Dr. Meyer ist ein gefragter Mastektomie-Chirurg. In seinem Mail-Postfach stapeln sich die Anfragen für die nächsten Monate.
28 Transmänner wünschen eine operative Anpassung an eine männliche Brust. 25 Krebs-Patientinnen bitten um eine Rekonstruktion weiblicher Brust, fünf davon wünschen eine Vergrößerung. Drei Mails kommen von ehemaligen Transfrauen, die eine Revision des Brustaufbaus verlangen. 15 Cis-Frauen fragen an, ob er ihre Brust entfernen oder zumindest verkleinern könne.
Wie viel Prozent dieser Anfragen kommen nach der Auffassung von Dr. Meyer von „normalen Menschen“?

Der Trans-Weg. In 18 Monaten zum Erfolg

Jetzt neu! Transitionsbegleitendes Coaching „Ihre Transition – Vom Coming Out bis zur Vagina / zum Penis alles aus einer Hand!“ In unserem Leistungsspektrum bieten wir an:

– innere Klarheit (inkl. professioneller Exegese ambiguer Erinnerungen und Photoshop)
– Coming-Out (inkl. vorformuliertes Facebook-Posting und ein Jahresabonnement Psychotherapie und/oder Yogakurs für die Eltern)
– Namenswahl-Beratung (inkl. wissenschaftliches und juristisches Gutachten für jeden Namensvorschlag nebst Berechnung des IQ (Individualitäts-Quotient))
– Hormon-Therapie (inkl. endokrinologischer Bescheinigungen „am oberen Ende des weiblichen / männlichen Normwertes“ zu sein, sowie ein Smartphone mit leistungsfähiger, auf Badezimmerspiegel optimierter Kamera)
– Pubertäts-Prävention (inkl. Kurzwahleinrichtung zur Telefonseelsorge und der Broschüre „Die große Liebe finden – in zwei Wochen!“ (auch erhältlich in der Ausgabe „Die große Liebe finden – in drei Wochen!“))
– Op-Vorgespräch-Klassenfahrten (unter dem Motto: „Teilen Sie das größte Ereignis Ihres Lebens mit Gleichgesinnten und lernen Sie dabei Deutschland kennen!“)
– Kaffeefahrten zum passenden Gutachter (Motto: „Machen Sie mir ein X / Y für ein Y / X vor!“ Sherryfläschchen / Jägermeisterchen können zum Preis von jeweils einem Euro im Bus erworben werden)

Trans*Lektüre

Für das Seminar „Trans und Queer verst_ehen“, Universität der Dekonstruktion (UDD), Sommersemester 2015.

„Gefühlte Empirie. Ein Praxisleitfaden für Argumentationen mit der Vuvuzela“ (Hrsg. D. Bohlen / N. Hagen)
„Einige sind gleich, andere sind gleicher. Geschichte Berliner Transtagungen aus Sicht eines Schweins“ (Hrsg. B. Obama et. al.)
„Der große Dysphorie-Atlas. Kartographie unerwünschter Körperteile und ihrer Bezeichnungen“ mit über 1000 Abbildungen! (hrsg. von E. Snowden)
„Und raus bist du. Schwarzer Peter, Reise nach Jerusalem und andere Kinderspiele als Metaphern für die Trans-Szene“ (Hrsg. C. v. Klausewitz)
Und natürlich das Standardwerk: „Psychiatrie – 1.000 Fragen, 10.000 Antworten“ (Hrsg. R.D. Precht)

Was sagt dein Name über dich?

Neu in der Queer-Bravo: Horoskop trans*männlicher Vornamen und ihrer Bedeutungen.

Alex, Erik, Tom: Du hast um 2000 herum transitioniert.

Mehr als drei Vornamen: Du bist entweder Adelssprössling oder du weißt alle sich dir bietenden Möglichkeiten bestmöglich auszunutzen. Auch von Guttenberg lässt sich immerhin etwas lernen.

Jack, John, Jim: Deine Vornamensänderung hat als Minderjähriger stattgefunden.

Noah, Liam, Elias: Die Transition hast du unverkennbar zwischen 2010 und 2015 gemacht.

Leo-Marcel, Neo-Alexander Fabricio-Denver, Simon-Leon: Entscheidungen sind wahrlich nicht deine größte Stärke im Leben. Sollte jedoch eines Tages die Formularzeilen-Erweiterungs-Revolution kommen, dann deinetwegen.

Cassius-Clay Mohamed-Ali, Lafayette, Pumckel: Ganz ehrlich, du machst das alles doch nur, um Verwaltungsfachangestellte zu quälen. Oder du bist ein unterbeschäftiger Comedian.

Luca, Lukas, Leon: Regelmäßig gewählt, massenkompatibel, unaufgeregt. Der „Tatort“ unter den Transmann-Namen.

Chase, Aiden, Ryan: Du hast dich vor allem durch amerikanische Youtube-Videos über Trans* informiert. Dass du international gebildet bist, darf ruhig jeder wissen.

Deinen neuen Vornamen kann niemand schreiben: Du bist etwas ganz Besonderes. Einzigartig und künstlerisch in jeder Hinsicht. Oder kannst du dich einfach nicht von einer liebgewordenen Gewohnheit trennen?

Sam, Ben, Chris: Du setzt auf die bewährten Klassiker. Keine unnötigen Risiken. Auch im Rest des Lebens meist bodenständig, zuverlässig und loyal.

Chrystopher, Dylan, Daniyyel: Auch wenn böswillige Zungen behaupten, dass diese Namen einen chromosomalen Mangel kompensieren, gilt doch immer noch: kreative Variation y, Coolness-Faktor y. Je mehr, desto mehr!

Jona(s), Julian, Johnny: Was der Unterschicht ihr y, ist der Mittelschicht ihr J. Keine Ahnung, wer damit angefangen hat, aber irgendwie sind sich alle einig, dass Vornamen mit J voll cool und individuell sind.

Trans*-Spezies in freier Wildbahn

Anhand ihrer Verhaltensstrategien mit der jeweils natürlichen sozialen Umgebung lassen sich unter Trans-Menschen mehrere Spezies unterscheiden.

(1) der Profi: Was den Historiker*innen ihre professionellen Zeitzeug*innen, ist dem Sozialwissenschaftler der hauptberufliche Trans-Mensch. Kommt in politischer (Lebensziel: gesellschaftliche Umstrukturierung der Geschlechterverhältnisse) und unpolitischer (Hobby: Klagen über Diskriminierungsverhältnisse) Variante daher. Verbreitet exzessiv Links zu Tagungen und Workshops, neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen über das männliche und weibliche Gehirn und/oder Trans-Rechten in aller Welt. Über seine Vergangenheit und seinen OP-Status sind alle Facebook-Freund*innen bestens und aktuell informiert. Hat oft ausgeprägte Sozialphobie bezüglich Nicht-Trans*-, FLTI- und Queer-Veranstaltungen entwickelt.

(2) der Dissoziierte: Führt zwei verschiedene Freundeskreise innerhalb und jenseits der queeren Welt. Benutzt häufig mehrere Namen. Erzählt wöchentlich detailreich auf Youtube über Alltag, Sex und Operationen, verbittet sich aber, auch nur subtilste Andeutungen über seinen Trans-Status auf Facebook zu machen. Fantasiert gelegentlich über Auswanderung.

(3) der Homosexuelle: Ist nicht nur trans, sondern glücklicherweise auch noch lesbisch oder schwul. Engagiert sich für LGBTI-Rechte in aller Welt. Hauptberuflich homosexuell, im Kleingedruckten trans-engagiert. Über Letzteres wird gegenüber Außenstehenden ungern, oft gar nicht geredet. War vor der Transition bereits gleichgeschlechtlich orientiert und ist es, wie vielfach beklagt, dank Hormon-Substitution auch endlich wieder.

(4) der Anpasste: Wird auch als Sozial-Chamäleon bezeichnet. Hat rasch, erfolgreich und lückenlos von einem ins andere Geschlecht gewechselt und dafür ein neues Facebook-Profil angelegt. Bis auf gelegentliche Anfälle von Larmoyanz und Minderwertigkeitskomplexen unter Alkoholeinfluss völlig unauffällig. Bricht Kontakt zu jedem ab, der geschlechtlich nicht eindeutig zu verorten ist und/oder in seiner Nähe über „das T-Thema“ spricht.

Unbeantwortetes, 2014

  •  Wenn Geschlecht ein Gesellschaftsspiel wäre, welches eigentlich?
  • Gibt es Geschlechter, die ihrem Wesen nach widerständiger sind als andere?
  • Können wir Gesprächsgelegenheiten schaffen, die zwischen dem (oft) konservativen Körperbild der Trans und dem (oft) radikal politischen Anspruch der Queers gelegen sind?
  • Welches Geschlecht habe ich eigentlich, wenn ich Mädchen-Gurken, aber Jungs-Pombären esse, Männer-Rasiergels, aber Frauen-Handcreme benutze?
  • Sprache macht Körper, wissen wir seit Focault. Körper macht auch Sprache. Wie kann ich meinen Körper so gestalten, dass er die Sprache hervorbringt, die ich brauche?
  • Wie sähe eine Welt aus, in der alle Waren ohne Ausnahme gegendert vermarktet werden?

Fragebogen Trans*Traurigkeiten

1) Wann fand Ihr letztes interessantes Outing statt?

2) Beneiden Sie Cis-Körper mehr als Trans-Körper?

3) Finden Sie, dass Sie durch Ihre Transition erpressbar sind?

4) Haben Sie seit Ihrer Transition eher mehr oder eher weniger Angst, dass das Land, in dem Sie leben, zu Ihren Lebzeiten diktatorisch regiert werden wird?

5) Finden Sie es manchmal absurd, dass Geschlecht etwas mit Ihrem Wohlbefinden zu tun haben könnte?

6) Ordnen Sie diese Traueranlässe nach der Intensität des für Sie derzeit subjektiv maßgeblichen Schmerzes.

Trauer darüber, dass ich nie ein kleiner Junge / ein kleines Mädchen gewesen bin.
Trauer darüber, dass mein Körper kein Cis-Körper ist.
Trauer darüber, dass ich zu lange gewartet habe.
Trauer darüber, dass alles so viel einfacher gewesen wäre, wäre ich jetzt noch mal 15.
Trauer darüber, dass die, die ich am meisten liebe, meinen Körper vielleicht nie verstehen werden.

7) Welche Wut empfinden Sie? Nichtzutreffendes streichen.

Wut, dass ich nicht immer ohne sinnlose Was-wäre-wenn-Überlegungen auskomme.
Wut, dass ich mein ganzes Leben lang aufs Neue nachdenken muss, ob und wie ich mich oute.
Wut, dass auch queere Räume Einschränkungen und Engstirnigkeiten unterliegen und hier trotz bestem Anspruch kein Paradies zu finden ist.
Wut, dass ich meinen Namen und meine Transition irrationalerweise so dringend brauche.
Wut über alle Chancen, die mir wegen meiner Sozialisation und deren Folgen entgangen sind.
Wut, dass mir mehr Wege offen stünden, wäre ich cis.
Wut, dass man mich mit Nennung meines Geburtsnamens, falscher Pronomina, pathologisierender Aussagen verletzen kann.
Wut über die Gesellschaft und ihre Vorurteile.
Wut, dass viele Prä-Transitions-Ängste nicht eingetroffen sind und ich mir vielleicht nur selbst im Weg stand.
Wut, dass ich die oben genannten Trauerprozesse durchlaufen muss und das seine Zeit braucht.
Wut, dass ich so viel Lebenszeit mit Ärzt*innen und Gutachter*innen, auf Ämtern und im Gericht zubringe.
Wut, dass Trans generell mehr Raum in meinem Leben einnimmt, als ich dem eigentlich zugestehen möchte.

Komm, süßer Glitzerschlaf

Auf diesem Blog habe ich mich schon eine ganze Weile nicht mehr geäußert.
Vielleicht, so mögen die geneigten Mitlesenden spekulieren, transitioniere ich unmerklich von Jung-und-queer nach Alt-und-resigniert, und nehme Missstände schlussendlich als alternativloses Inventar dieser Welt hin? Vielleicht lebe ich inzwischen in Bayern und habe eingesehen, dass dieses so detailreiche und gut begründete Jammern immer noch ein Jammern auf himmelhohem Niveau ist? Vielleicht bin ich einfach nur faul, frustriert und cisheterosexuell geworden?
Die fehlenden Updates sind keinem Mangel an Inspiration geschuldet, und auch keiner Langzeitinfektion durch übermäßigen Glitzerkonsum.
Über all die konstruktive Auseinandersetzung mit Inhalten und Community bleibt zuweilen einfach keine Zeit, für kreativ formulierte Kritik und scharf vorgebrachte Parodie. Zudem verfolge ich nebenher mehrere andere Publikationsprojekte, von denen immerhin ein Teil die hier aufgebrachten Diskussionsstränge weiterführt.
Mit anderen Worten, das Engagement auf diesem Blog fiel zumindest teilweise dem zum Opfer, was jeder Langzeitbeziehung irgendwann blüht: die Prioritätensetzung.

Ich habe keine Ahnung, was das Einhorn-Orakel diesem Blog für 2015 voraussagt. Zwischen endlosem Winterschlaf, Gelegenheitsaktivität und Vollzeitexistenz scheint fast alles möglich, weil jedes dieser Modi derzeit immer noch und immer wieder überzeugende Argumente vorzuweisen hat.
Wem das zu wenig ist, der*die ist nach wie vor herzlich zu konstruktiven Kommentaren und gerne auch Emails eingeladen.
Ich bedanke mich jedenfalls bei den – für das lange Schweigen doch recht zahlreichen – Gelegenheitsleser*innen.

PS: Google verschleiert neuerdings leider meistens die Suchbegriffe, aufgrund derer Ihr auf diesem Blog gelandet seid. Ich nehme jedoch erfreut zur Kenntnis, dass mindestens eine Person wegen der Suche nach „Transmann sexy Bilder“ den Weg hierher gefunden hat.

Fünf populäre Mythen über Transition

(1)     „Eine Transition mache ich nur für mich“

Natürlich beginnen Überlegungen, zu transitionieren, immer bei der Person, um die es geht: eine existenzielle Selbstbefragung, Reflektion und neue Deutung der eigenen Vergangenheit, der Entwurf einer Zukunft. Und dennoch transitioniert niemand alleine.
Transition findet nicht im luftleeren Raum statt. Mehrere Akteure sind daran in unterschiedlicher Weise beteiligt, und hierbei spreche ich nicht von Gutachter_innen und Ärzt_innen. Da gibt es immer Freund_innen, Familie, Partner_innen. Nicht nur die betroffene Person wandelt sich, sondern das Umfeld vollzieht gleichfalls eine Veränderung. Der Sohn, der eigentlich eine Tochter ist. Der Zwillingsbruder, der eine Zwillingsschwester ist. Die lesbisch sozialisierte Partnerin, die auf einmal als hetera gelesen wird.
Selbstverständlich transitioniert niemand für dieses Umfeld. Dennoch ist es verkürzt, anzunehmen, Transition sei ein reiner Ego-Trip, bei dem es nur um mich und meine individuelle Selbst-Verwirklichung geht. Keine transitionierende Person ist zu denken ohne den Kontext, die Verhältnisse und die Menschen, die begleiten, tragen, sich wandeln.

(2)     „Ich mache eine Transition, weil ich mein Äußeres (Körper) meinem Inneren (Seele) angleichen möchte“

Oft heißt es auch, der (falsche) Körper solle dem (richtigen) Gehirn angeglichen werden. Welche geschlechtsspezifischen Charakteristika das Gehirn aufweist, ist nach wie vor ungeklärt und bislang ausschließlich Gegenstand mehr oder minder populärer Vermutungen.
Geschlecht ist jedenfalls so oder so nicht ausschließlich ein Innenerleben. Geschlecht ist, wie man es dann auch näher beschreiben mag, ein untrennbares Zusammenspiel aus innerer und äußerer Wahrnehmung, Individuum und Gesellschaft. Selbst die auf den ersten Blick unverdächtige „Körperwahrnehmung“ („Ich fühle mich als Mann“) ist nicht frei vom Rest der Welt – mein Körper wird gesehen, interpretiert, zugeordnet, benannt und zwar nicht nur von anderen, sondern auch von mir selbst.
Körper und Seele können schlichtweg nicht (bzw. nicht so einfach) getrennt voneinander betrachtet werden. Innere Ziele beeinflussen äußeres Handeln und andersrum. Transidentität ist nicht die letzte Bastion des Leib-Seele-Dualismus.

(3)     „Ich kann nur durch Transition glücklich werden“

Was einen Menschen glücklich macht, und ob das für alle dasselbe ist oder für jeden verschieden, ist eine sehr alte Frage. Glücklich und zufrieden macht eine Transition allein jedenfalls nicht, Transition soll ja bestenfalls ein Mittel zum Zweck des inneren Friedens sein.
Doch auch als Werkzeug, um das eigen Ich zu realisieren, eignet sich die Anpassung des eigenen Geschlechts nur bedingt: Die hohen Erwartungen, die an eine Transition gebunden sind, wenn sie die Voraussetzung überhaupt für Glück ist, kann keine irdische Handlung, sei sie noch so radikal, je erfüllen.
Wer ohne Transition nicht glücklich sein kann, wird es auch mit kaum sein.

(4)     „Ich bin im falschen Körper geboren“

Niemand ist gefangen in seinem Körper. Wir alle haben, zumindest für die Dauer dieses Lebens auf der Erde (und, glaubt man den alten Ägyptern, auch darüber hinaus) nur einen und genau einen Körper. Den eigenen. Inklusiver aller Unzulänglichkeiten und Fehlleistungen. Auch eine Transition kann nicht dafür sorgen, dass ein neuer oder „richtiger“ Körper an die Stelle des ursprünglichen tritt. Wir sind und bleiben in uns, und deshalb sollten wir milde sein.
Eine Transition handelt in erster Linie davon, sich seinen körperlichen Gegebenheiten zu stellen – und gemäß den individuellen Bedürfnissen einen Umgang mit diesen Gegebenheiten zu finden, gedanklich (Um- und Neudeutung, Körperwahrnehmung) und ggf. auch physisch (Hormone in richtiger Dosierung, Operationen) Wenn das gelingt, bleibt der Körper nicht gefangen in uns.

(5)     „Ich war schon immer ein Mädchen / ein Junge“

Es wäre schön, wenn es so gewesen wäre. Am Anfang einer Transition steht eine Selbstklärung, die der Welt widerspricht. Dem „Es ist ein Junge!“ wird ein „Ich bin ein Mädchen!“ entgegen gestellt. Wie auch immer das innere Erleben und die Interpretation der eigenen Biographie gewesen sein mag – selbst wer mit 10 Jahren transitioniert, hat davor eine Sozialisation durchlaufen. Diese Sozialisation hatte zumindest zu bestimmten Zeiten des Lebens Einfluss auf die Selbstdeutung, ja, hat es erst ermöglicht, mich als transident zu erkennen. Das „immer schon“ verschweigt die Leiter, mit der ich bis zu den Sternen kletterte.